Was am Ende übrig bleibt
Diese Woche, bei Coaching ReDefined
Es gibt Wochen, in denen ist alles eine einzige Liste.
Termine, To-Dos, Quartalsziele.
Etwas geht raus, etwas kommt rein.
Am Freitagabend bleibt eine gewisse Erschöpfung und das Gefühl, dass irgendwo im Strom etwas verloren gegangen ist, das man nicht mehr genau benennen kann.
Es kann aber auch anders sein, wie diese Woche eindrücklich gezeigt hat.
Sie war weniger wie eine Liste, sondern eher wie ein Tropfen in stillem Wasser. Einmal eingeschlagen, ziehen sich die Ringe und setzen sich selbst fort, so dass sie auch zum Ende der Woche hin immer noch sichtbar sind.
Es begann mit einem Konzert.

Letzte Woche waren wir mit den Kids im Hallenstadion in Zürich. Michael Patrick Kelly gab drei Stunden lang seine Live-Musik zum Besten. Für zwei der Kinder war es das erste Hallenevent überhaupt. Sabrina ist da Fan der ersten Stunde, was in diesem Fall ein paar Jahrzehnte bedeutet. Ich bevorzuge andere Unterhaltung und bin ebenfalls seit Jahrzehnten unterwegs in meiner Nerdy Welt mit Wrestling, Filmen, Games und Musik. Uns zieht es aber jeweils auch miteinander dorthin, wo der andere herkommt, ohne dort genauso tief reinzugehen wie er.
Sie ist daher nicht ganz so tief in den Wrestling-Ring gestiegen wie ich, wogegen Ich wohl niemals so ganz begeistert von den Kellys sein werde.
Was ich an diesem Abend nicht erwartet hatte, war, dass er die Story für eine ganze Woche liefern würde.
Was bleibt, ist selten, was Du dokumentierst.
Während des Konzerts war überall Blitzgewitter zu sehen. Menschen, die tausende Fotos machten, am Bildschirm scharfstellten, das letzte Bild nochmal prüften und sich dabei mit jedem Foto ein Stück mehr von dem entfernten, was sie eigentlich zu erleben gekommen waren.

Ein Phänomen, welches uns nun auch im Business immer mehr begegnet. Dort sind es dann nicht unbedingt "Fotos", dafür aber Notion, Obsidian, KI-Memo, Sprachnotiz oder sonst irgend eine Notizen-App.
So hatten wir letzthin ein Gespräch mit einem Unternehmer, der sein Notion in zwei Jahren auf über 1.400 Einträge gebracht hatte. Jedes Meeting war transkribiert und jede auch noch so kleine Idee verschlagwortet.
Entstanden ist ein riesiges Archiv an Erinnerungsfragmenten, die nie wieder angesehen wurden.
Er kam nicht mit einem Auftrag ins Coaching, sondern viel eher mit einem Satz:
"Ich finde alles wieder. Ich erinnere mich an nichts."
Das ist wieder mal kein Tool-Problem, sondern ein Gebrauchs-Problem. Wer jeden Gedanken in zwei Sekunden auslagert, bevor er ihn überhaupt gespürt hat, baut kein Wissen auf. Er baut ein Archiv. Und ein Archiv erinnert sich nicht.
Das gilt für ein Unternehmer-Notion, genau so für ein Konzertfoto, das nie wieder angesehen wird. Es gilt für unsere ganze Art, Erlebnisse durch Festhalten zu sichern und sie dabei zu verlieren.
Es soll jedoch auch kein Plädoyer für die Steintafel sein. Es geht nicht zurück in die Steinzeit, sondern um moderne Balance. Was Festhalten verdient, und was Verarbeiten braucht. Manches gehört aufgeschrieben, doch darf überprüft werden, was davon zuvor noch einer Reflexion würdig wäre.

Der Rückweg führt über die Stille.
Wenn das vorzeitige Auslagern das Problem ist, so kann bewusstes Verarbeiten die Antwort sein.
Und Verarbeiten braucht etwas, das in unserer Zeit zum seltenen Gut wird: Stille.
Ich sehe es auch in der Zusammenarbeit mit Klient:innen immer wieder.
Entscheidungen, an die sie sich Jahre später erinnern, sind oftmals nicht die, die mit dem grössten Beraterstab oder dem ausführlichsten Datenpool getroffen wurden, sondern oft die, welchen eine gewisse Stille vorwegging. Nicht stundenlang. Manchmal nur ein Spaziergang. Oft nur ein Abend, an dem das Handy bewusst weggelegt wurde. Aber der Moment, in dem klar wird - das ist es nun.
Diese Entscheidungen haben drei Eigenschaften gemeinsam.
Sie wurden in eigener Sprache formuliert und tragen nicht unbedingt die ausgeklügelten Formulierungen des Frameworks, auf das sie grade im letzten Podcast gestossen sind. Wenn Du Deine Entscheidung nicht in einem Satz ohne fremdes Vokabular erklären kannst, ist sie vermutlich noch nicht ganz Deine.
Sie sind tragfähig in einem Satz. Wer drei Absätze braucht, um zu erklären, warum er etwas tut, hat sich oft selbst noch nicht ganz überzeugt. Das heisst nicht, dass man seine Ideen nicht ausschmücken und erklären darf. Aber im Bedarfsfall herunterbrechbar sollten sie werden.
Als letztes Kennzeichen folgt ihnen eine Resonanz. Diese äussert sich nicht in Applaus oder externer Zustimmung, sondern durch innere Festigkeit.
Ein leises, persönliches "Ja" zu sich selbst.
Mitunter erkenne ich daran Entscheidungen, die wahrhaftig nachhallen.

Polarität, die sich nicht auflöst.
Eines hat diese Woche zusätzlich sichtbar gemacht:
Nachhallen entsteht nicht nur durch Stille und Verarbeitung.
Es entsteht auch durch Beziehung, und zwar gerade dann, wenn die Beziehung Polarität nicht glättet.
Sabrina und ich sind nicht zwei Coaches, die zufällig zusammen eine Marke aufbauen.
Wir sind zwei Pole einer gemeinsamen Struktur, die sich ergänzen.
Wie ein stiller, aber innerlich aktiver Vulkan zeige ich Dir, wo Du Deine Grenzen ziehen darfst gegen aussen wie auch gegen innen, wo die Ruhe Dich finden darf und wo Du Dich auflehnen kannst, um nicht unbedingt Nein zu etwas, aber gerne dafür Ja zu Dir selbst sagen darfst. So steht Sabrina für das Blatt im Wind, das Dir Auftrieb verleiht und zeigt, wie hoch zu fliegen in Dir innewohnt.
Auf geteilter Bühne, jedoch nicht mit strikt geteilten Rollen, bespielen wir unser jeweils eigenes Feld und sind in dem des anderen doch stets gerne bekannter und willkommener Gast.
Genauso, wie am Samstagabend in Zürich nebeneinander und nicht in der Mitte.
Was an Polung nachhallt, ist nicht der Konsens. Es ist die Tatsache, dass beide Pole stehen geblieben sind.
Diese Beobachtung gilt nicht nur für Lebenspartnerschaften, sondern sie gilt für jede Beziehung an der Spitze, in der Sie regelmässig miteinander stehen. Sei es in Co-Geschäftsführung, Beirat, Kunde-Lieferant, Eltern-Kind.
Erzwungener Konsens kann zu Erschöpfung führen. Natürliche Polarität, die ausgehalten wird, hingegen schafft wahre Substanz.
Was am Ende noch da ist.

Am Ende der Woche blieb eines von diesem Konzertbesuch. Kein Lied, Künstler und auch nicht das grossartige Bühnenbild.
Es war der Moment, in dem die Halle für ein paar Sekunden stiller war als sonst, bevor ein nächstes Stück seinen Lauf fand. Eine Mini-Stille zwischen tausenden Menschen und der Moment der kleinen, geteilten Erwartung, darob was nun gleich kommen möge.
Davon gibt es kein Foto oder Notion-Eintrag.
Trotzdem ist es da. Es hallt nach, weil es nicht festgehalten werden konnte — und nicht musste.
Genau das ist die Frage, die diese Woche unausgesprochen mitlief, und die ich Dir noch einmal mitgeben möchte:
🤔Was hat Dich diese Woche tatsächlich erreicht — auch wenn Du es nirgendwo aufgeschrieben hast?
Nicht das absolute Highlight. Sondern der Moment, der einfach noch da ist. Ohne dass Du ihn dafür festhalten musstest.
Denn genau das ist es, was nachhallt.

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